11 goldene Regeln
Von dem, was Kinder und Jugendliche in sozialen Netzwerken oder im Netz sehen, haben Erwachsene oft keine Ahnung und handeln deshalb oft falsch, obwohl man es eigentlich nur gut meint und die Jungen und Mädchen schützen möchte. Für alle Challenges, Trends oder Gefahren, die im Netz drohen, möchten wir Sie durch kurze Handlungsempfehlungen und mithilfe von Gesprächsleitfäden gerade dann unterstützen, wenn man sich selbst in kleinen oder großen Krisensituationen wortlos und hilflos fühlt.
Einige Punkte aber gelten unabhängig davon ununterbrochen.
Folgende goldene Regeln sollten uns allen bewusst sein, die Kinder und Jugendliche auf ihren digitalen Wegen schützen und begleiten möchten:

1. Drohen Sie nie mit einem Smartphone-Entzug.
Die Geräte sind mehr als nur Dinge zum Daddeln. Freundschaftspflege, Teilhabe, Organisation und Verbindung sind essenzielle Elemente, die nicht unterschätzt werden dürfen. Es gibt zahlreiche klassische Erziehungssanktionen bei Fehlverhalten wie beispielsweise Küchendienst oder das Befreien der Terrasse von Unkraut. Droht man ständig mit Smartphone-Entzug, verlieren Kinder das Vertrauen und werden sich Erwachsenen nur noch eingeschränkt anvertrauen.
2. Bleiben Sie gelassen und entdramatisieren Sie Gespräche.
In vorbereitenden Gesprächen sollten Sie klar sprechen und nicht herumdrucksen. Beispiel: Klare Worte über mögliche Nacktbilder oder sexuelle Belästigungen im Netz helfen, dass Kinder im Ernstfall den Mut haben, sich Ihnen anzuvertrauen, auch wenn sie sich schämen.
3. Klare Worte beim Thema Cybergrooming.
Überall dort, wo Kinder unbeaufsichtigt im Netz agieren, lauern pädokriminelle Menschen. Erklären Sie klar, welche Absichten diese Personen verfolgen und vermitteln Sie, dass Kinder niemals schuld an Übergriffen sind, selbst bei falscher Reaktion. Machen Sie deutlich, dass Sie nie wütend sein werden und jederzeit Ansprechpartner bleiben.
4. Besprechen Sie Vertrauenspersonen außerhalb der Eltern.
Fragen Sie Ihr Kind, an wen es sich wenden würde, wenn Eltern gerade keine Option sind. Notieren Sie geeignete Vertrauenspersonen gemeinsam und machen Sie deutlich, dass es nie allein ist, wenn Sorgen auftreten.
5. Kein Smartphone im Kinderzimmer während der Schlafenszeit.
Auch nicht bei älteren Jugendlichen. Technische Einschränkungen lassen sich umgehen und die bloße Anwesenheit führt zu Schlafproblemen, nächtlichem Spielen oder stundenlangem Scrollen durch soziale Netzwerke. Die Suchtmechanismen erschweren ein selbstbestimmtes Ablegen des Geräts.
6. Eltern müssen Vorbilder sein.
In der Kommunikation innerhalb der Familie und mit anderen sollte das Smartphone zur Seite gelegt werden. Kinder sehen uns sonst ausschließlich mit gesenktem Blick auf das Gerät.
7. Alternative Freizeitgestaltung aktiv fördern.
Gemeinsame medienunabhängige Aktivitäten erscheinen banal, sind jedoch zentral. Der Satz „Such dir ein Hobby“ reicht nicht, denn Kinder müssen lernen, wie Hobbys gefunden und ausprobiert werden.
8. Ein wachsames Auge auf andere Kinder richten.
Viele Kinder sind sehr einsam und ohne stabile Betreuung durch Erwachsene, was das Risiko für Angriffe im Netz oder exzessiven Medienkonsum erheblich erhöht.
9. Games der Kinder selbst ausprobieren.
Nur wer Spiele und digitale Erlebnisse selbst kennt, versteht die entsprechenden Suchtmechanismen und erkennt, wie schnell Fremdkontakte entstehen können.
10. Keine Kinderbilder im Internet veröffentlichen.
Mittels KI lassen sich bereits aus harmlosen Fotos kinderpornografische Inhalte generieren. Posten Sie keine Kinderbilder in sozialen Netzwerken, auch nicht als Profilfoto oder WhatsApp-Status. Es existieren Bot-Farmen, die Kinderfotos automatisch abgreifen.
11. Kinder brauchen Anerkennung und wollen gesehen werden.
Zeigen Sie Ihrem Kind Zuneigung genau dann, wenn es Ihnen am schwersten fällt. Machen Sie klar, dass es geliebt und wertgeschätzt wird, auch dann, wenn Konflikte bestehen oder etwas nicht gut läuft.
