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Der neue Sticker-Boom

  • vor 6 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Warum harmlose Bildchen auf Social Media und in Messenger-Gruppen längst nicht immer harmlos sind

Sticker sind für viele Kinder und Jugendliche ein fester Bestandteil der digitalen Kommunikation. Sie ersetzen Worte, drücken Emotionen aus und sorgen häufig für Humor in Chats. Ob lachende Tiere, bekannte Figuren oder lustige Alltagssituationen – ursprünglich waren Sticker als kleine, kreative Ergänzung zu Nachrichten gedacht.

Doch schon seit vielen Jahren zeigen Fälle aus Schulen und Messenger-Gruppen, dass Sticker auch eine Schattenseite besitzen.


Neben harmlosen Motiven kursieren immer wieder Sticker mit problematischen Inhalten. Dazu gehören pornografische Darstellungen, verfassungsfeindliche Symbole, rassistische Botschaften, gewaltverherrlichende Motive oder andere verstörende Inhalte. Viele dieser Sticker werden von Nutzerinnen und Nutzern gespeichert, weitergeleitet und immer wieder in neuen Gruppen verbreitet. Dabei gerät häufig in Vergessenheit, dass auch ein Sticker letztlich ein Bild ist und damit denselben rechtlichen und moralischen Maßstäben unterliegt wie andere digitale Inhalte. Aktuell erlebt dieses Phänomen einen neuen Aufschwung. Der Grund dafür liegt in einer Entwicklung vieler sozialer Netzwerke. Auf Plattformen wie TikTok können Videos inzwischen nicht mehr nur mit Text kommentiert werden. Nutzerinnen und


Nutzer können stattdessen auch Sticker, GIFs oder kurze bewegte Bildsequenzen als Kommentar hinterlassen.

Dadurch entsteht eine neue Dynamik. Unter vielen Videos finden sich mittlerweile hunderte oder sogar tausende solcher Bildkommentare. Während ein Teil davon harmlos ist, nutzen andere Nutzer die Funktion gezielt, um auffällige, schockierende oder grenzüberschreitende Inhalte zu verbreiten. Besonders problematisch ist dabei ein neuer Trend, bei dem Nutzer dazu aufgefordert werden, bestimmte Sticker zu sammeln, zu speichern oder in Kommentaren weiterzugeben.


In vielen Communities werden Nutzerinnen und Nutzer inzwischen sogar ausdrücklich dazu aufgefordert, ihre „heftigsten“, „krassesten“ oder „verrücktesten“ Sticker zu teilen. Ziel ist es, diese anschließend abzuspeichern, weiterzugeben und die eigene Sammlung zu erweitern. Die Sticker werden dabei regelrecht zu einer digitalen Sammelwährung. Wer besonders seltene, ungewöhnliche oder schockierende Motive besitzt, erhält Aufmerksamkeit innerhalb der Community. Genau hier liegt eine erhebliche Gefahr. Denn nicht alle Sticker bewegen sich im Bereich geschmackloser oder verstörender Inhalte. Teilweise werden Bilder geteilt, deren Verbreitung oder Besitz rechtlich problematisch sein kann. Vielen Kindern und Jugendlichen ist nicht bewusst, dass ein Sticker rechtlich genauso bewertet werden kann wie jedes andere Bild auf dem Smartphone. In bestimmten Fällen kann bereits das Speichern oder Besitzen entsprechender Inhalte strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.


Besonders problematisch ist dabei, dass solche Sticker häufig ohne Vorwarnung und eingebettet zwischen harmlosen Motiven auftauchen. Kinder und Jugendliche speichern komplette Stickerpakete oder laden Sammlungen herunter, ohne genau zu wissen, welche Inhalte sich darin befinden. Aus Neugier oder Gruppendruck werden Bilder weitergeleitet, die später erhebliche Folgen haben können. Hinzu kommt, dass sich Sticker deutlich schneller verbreiten als klassische Bilder. Ein Klick genügt und der Inhalt landet in dutzenden Gruppen oder auf hunderten Geräten. Dadurch erreichen problematische Darstellungen eine enorme Reichweite. Für Eltern und Lehrkräfte ist diese Entwicklung deshalb besonders schwer zu erkennen. Während Fotos oder Videos oft stärker wahrgenommen werden, gelten Sticker bei vielen Menschen noch immer als harmlose Spielerei. Tatsächlich können sie jedoch dieselben Risiken bergen wie andere digitale Inhalte.


Kinder und Jugendliche sollten deshalb verstehen, dass nicht jedes Bild gespeichert, weitergeleitet oder kommentiert werden sollte. Die Tatsache, dass etwas als Sticker erscheint, macht den Inhalt nicht automatisch unproblematisch.

Die aktuelle Entwicklung zeigt einmal mehr, wie schnell sich digitale Trends verändern können. Was als kleine Ergänzung für Chats begann, entwickelt sich zunehmend zu einem eigenen Kommunikationsraum mit eigenen Regeln, eigenen Trends und leider auch eigenen Risiken. Gerade deshalb lohnt es sich, Sticker nicht nur als lustige Bildchen wahrzunehmen, sondern auch einen Blick auf die Inhalte zu werfen, die sich dahinter verbergen können.



 
 
 

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