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„Low Cortisol Videos“

  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Der Trend um „Low Cortisol Videos“ und warum er aktuell besonders kritisch ist

Der Begriff „Low Cortisol“ klingt zunächst harmlos. Er stammt aus der Medizin und beschreibt vereinfacht den Wunsch, Stress im Körper zu reduzieren. Auf Social Media wird dieser Begriff jedoch aktuell in einem Kontext verwendet, der mit Entspannung nur noch wenig zu tun hat.


Unter dem Schlagwort „Low Cortisol Videos“ verbreiten sich Inhalte, die angeblich beruhigend wirken sollen. Tatsächlich zeigen viele dieser Videos jedoch genau das Gegenteil. Nutzerinnen und Nutzer berichten davon, dass ihnen plötzlich Inhalte angezeigt werden, die Gewalt, extreme Szenen oder verstörende Darstellungen enthalten. Dazu zählen inszenierte Szenen aus Videospielen, aber auch real wirkende oder reale Darstellungen von schweren Verletzungen oder tödlichen Situationen.


Diese Inhalte stehen in einem starken Widerspruch zu der eigentlichen Bedeutung des Begriffs. Statt Stress zu reduzieren, erzeugen sie Irritation, Überforderung und bei vielen auch Angst. Besonders problematisch ist dabei, dass diese Videos häufig nicht eindeutig gekennzeichnet sind und teilweise unvermittelt im Feed erscheinen.

Ein besonders bedenklicher Aspekt liegt in der zugeschriebenen Wirkung dieser Inhalte.

Der Begriff „Low Cortisol“ suggeriert nicht nur Entspannung, sondern impliziert, dass genau diese Darstellungen von Gewalt, Grenzüberschreitung und extremen Szenen für die Personen, die sie erstellen oder verbreiten, beruhigend oder stressreduzierend wirken. Damit wird eine problematische Botschaft transportiert. Gewaltfantasien und der Konsum entsprechender Inhalte werden in einen Kontext gestellt, der sie als etwas scheinbar Positives oder sogar regulierendes darstellt.


Für Kinder und Jugendliche kann diese Darstellung besonders irritierend sein. Sie erleben Inhalte, die sie möglicherweise verunsichern oder belasten, während gleichzeitig suggeriert wird, dass genau diese Inhalte eigentlich beruhigend wirken sollen. Diese widersprüchliche Botschaft erschwert die Einordnung zusätzlich.

Ein weiterer Mechanismus verstärkt die Verbreitung dieses Trends. Unter scheinbar belanglosen oder unauffälligen Videos werden Nutzerinnen und Nutzer dazu aufgefordert, sogenannte „Low Cortisol Sticker“ in die Kommentare zu posten. Diese Sticker können gespeichert, weiterverwendet und getauscht werden. Auf den ersten Blick wirkt dies wie ein harmloses Mitmachen an einem Trend.


Tatsächlich dient diese Praxis jedoch dazu, Reichweite und Sichtbarkeit zu erhöhen. Inhalte werden stärker verbreitet, weil viele Nutzer interagieren, kommentieren und Inhalte speichern. Dadurch gelangen auch problematische Videos häufiger in die Feeds anderer Nutzerinnen und Nutzer.


Für Kinder und Jugendliche entsteht dadurch eine besonders schwierige Situation. Sie stoßen möglicherweise ohne gezielte Suche auf Inhalte, die sie emotional überfordern können. Gleichzeitig ist der Kontext nicht klar. Der Begriff „Low Cortisol“ suggeriert etwas Positives, während die Inhalte eine gegenteilige Wirkung haben.

Hinzu kommt, dass viele dieser Videos stark bearbeitet oder aus unterschiedlichen Quellen zusammengesetzt sind. Dadurch wird es zunehmend schwer, zwischen inszenierten und realen Darstellungen zu unterscheiden. Gerade jüngere Nutzerinnen und Nutzer haben oft nicht die nötige Erfahrung, um diese Inhalte einzuordnen.


Die Kombination aus irreführender Bezeichnung, algorithmischer Verbreitung und aktiver Beteiligung durch Kommentare und Sticker sorgt dafür, dass sich dieser Trend schnell ausbreiten kann. Gleichzeitig bleibt für viele unklar, was genau dahintersteckt und warum solche Inhalte überhaupt unter diesem Begriff verbreitet werden.

Für Eltern und Schulen bedeutet das, aufmerksam zu sein und Gespräche anzustoßen. Es geht nicht nur darum, einzelne Inhalte zu verbieten, sondern darum, Kindern zu helfen, solche Entwicklungen zu verstehen und einzuordnen.

Denn nicht alles, was beruhigend klingen soll, wirkt auch beruhigend.


Bild KI- generiert:


 
 
 

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