67 - Das neue Sammelbecken verstörender Inhalte
- 10. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Nicht jeder Trend auf Social Media bleibt das, was er ursprünglich einmal war. Manche beginnen mit einer harmlosen Geste, einem Lied oder einer gemeinsamen Bewegung. Doch im Laufe der Zeit verändern sich Bedeutung und Inhalte. Genau diese Entwicklung lässt sich derzeit bei dem sogenannten „67“-Trend beobachten.
Unter dem Suchbegriff finden sich inzwischen zahlreiche Videos, in denen Kinder und Jugendliche die bekannte „67“-Handbewegung ausführen, auf Schulhöfen euphorisch feiern oder den Trend nachstellen. Was zunächst wie ein weiterer kurzlebiger Internettrend wirkt, hat jedoch in Teilen eine besorgniserregende Dynamik angenommen.
Neben den harmlosen Videos tauchen zunehmend Beiträge auf, die Gewalthandlungen, schwere Unfälle oder andere verstörende Szenen zeigen. Teilweise werden diese Inhalte durch starke Filter, Animationen oder Effekte verfremdet. Häufig läuft dabei ein russischsprachiges Musikstück im Hintergrund. Gleichzeitig werden die Videos mit dem Hinweis „AI“ versehen und zusätzlich mit Animationen oder grafischen Elementen überlagert. Dadurch wirken die Inhalte auf den ersten Blick wie bearbeitete oder künstlich erzeugte Clips.
Gerade diese Gestaltung erschwert die Einordnung erheblich. Für Zuschauerinnen und Zuschauer wird zunehmend unklar, ob es sich um reale Aufnahmen, KI-generierte Inhalte oder nachgestellte Szenen handelt. Moderne Bildbearbeitung und künstliche Intelligenz lassen diese Grenzen immer weiter verschwimmen.
Besonders problematisch ist, dass die Kombination aus Filtern, Animationen und irreführenden Kennzeichnungen offenbar auch dazu genutzt wird, problematische Inhalte weniger auffällig erscheinen zu lassen. Dadurch können belastende Videos leichter in Feeds auftauchen und eine größere Reichweite erzielen.
Für Kinder und Jugendliche stellt dies ein erhebliches Risiko dar. Sie stoßen häufig nicht gezielt auf solche Inhalte, sondern bekommen sie über Empfehlungen oder virale Verbreitung angezeigt. Die eigentliche Gefahr liegt deshalb weniger in der Suche nach diesen Videos als in der Art und Weise, wie soziale Netzwerke stark geklickte und häufig geteilte Inhalte immer weiter verbreiten.
Auffällig ist außerdem, dass immer mehr Nutzerinnen und Nutzer den Stil dieser Videos übernehmen. Sie ahmen Aufbau, Musik, Effekte und Gestaltung nach, weil sie erkennen, dass genau diese Art von Inhalten besonders viel Aufmerksamkeit erhält. Reichweite wird damit für einige wichtiger als die Frage, welche Wirkung die gezeigten Inhalte auf andere Menschen haben.
Diese Entwicklung wirft eine grundsätzliche Frage auf.
Was passiert mit einer Plattform, wenn schockierende Inhalte häufiger Aufmerksamkeit erhalten als respektvolle oder kreative Beiträge? Wenn Gewalt, Grenzüberschreitungen oder verstörende Bilder millionenfach angesehen werden, besteht die Gefahr, dass sich Wahrnehmung verändert. Die Hemmschwelle sinkt, problematische Inhalte weiterzuverbreiten oder nachzustellen. Gleichzeitig kann die Empathie gegenüber den Betroffenen abnehmen, wenn Leid immer häufiger nur noch als weiterer Inhalt im Feed erscheint.
Gerade deshalb sollten Eltern und Lehrkräfte aktuelle Trends nicht nur anhand ihrer Bezeichnung bewerten, sondern auch beobachten, wie sie sich weiterentwickeln. Ein Trend, der zunächst harmlos erscheint, kann innerhalb kurzer Zeit von anderen Nutzern aufgegriffen und mit völlig neuen Inhalten gefüllt werden.
Die Entwicklung rund um den „67“-Trend zeigt eindrücklich, wie schnell sich die Bedeutung eines Hashtags verändern kann. Aus einer zunächst unauffälligen Interneterscheinung kann ein Sammelbecken für Inhalte werden, die Kinder und Jugendliche überfordern, verstören und nachhaltig belasten können.
Bild KI-generiert:





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