Braun um jeden Preis - Tanmaxxing
- 11. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Warum der TikTok-Trend „Tanmaxxing“ alles andere als harmlos ist
Braune Haut gehört für viele Menschen noch immer zum sommerlichen Schönheitsideal. Auf TikTok und Instagram bekommt dieser Wunsch aktuell jedoch eine neue und bedenkliche Dimension. Unter dem Begriff „Tanmaxxing“ verbreiten sich Videos, in denen Nutzerinnen und Nutzer versuchen, ihre Bräune möglichst stark zu „maximieren“.
Der Begriff lehnt sich an andere „Maxxing“-Trends an, bei denen bestimmte Bereiche des eigenen Aussehens vermeintlich optimiert werden sollen. Beim Tanmaxxing bedeutet das: möglichst schnell, möglichst intensiv und möglichst sichtbar braun werden.
Dafür werden in den Videos teilweise UV-Werte beobachtet und gezielt Zeiten mit besonders intensiver Sonneneinstrahlung genutzt. Gleichzeitig kursieren Routinen, vermeintliche Tipps und persönliche Erfahrungen darüber, wie eine stärkere Bräunung erreicht werden könne. Besonders problematisch wird es, wenn dabei Sonnenschutz als störend dargestellt, reduziert oder ganz weggelassen wird.
Was in kurzen TikTok-Videos nach Beauty, Sommer und Selbstoptimierung aussieht, ist aus medizinischer Sicht jedoch keineswegs harmlos.
Eine Bräunung ist kein Zeichen dafür, dass sich die Haut besonders gesund an die Sonne angepasst hat. Sie ist eine Reaktion der Haut auf UV-Strahlung. Auch ohne sichtbaren Sonnenbrand kann UV-Strahlung Hautzellen schädigen. Wiederholte und intensive UV-Belastung trägt zur vorzeitigen Hautalterung bei und erhöht langfristig das Risiko für Hautkrebs.
Besonders kritisch ist der Trend deshalb für Kinder und Jugendliche. In diesem Alter spielen Aussehen, Zugehörigkeit und die Orientierung an Vorbildern eine wichtige Rolle. Wenn Influencerinnen, Influencer oder Gleichaltrige eine besonders intensive Bräune als erstrebenswert darstellen und dafür tausende oder sogar Millionen Aufrufe erhalten, kann aus einem Schönheitsideal schnell ein Wettbewerb entstehen.
Genau darin zeigt sich wieder ein typisches Problem sozialer Netzwerke.
Nicht unbedingt die vernünftigste oder gesündeste Variante bekommt die größte Aufmerksamkeit. Häufig sind es die extremen Varianten eines Trends, die besonders viele Reaktionen hervorrufen. Aus „Ich möchte im Sommer etwas braun werden“ wird dadurch plötzlich „Wie braun kann ich werden?“. Und aus Selbstoptimierung kann Selbstgefährdung werden.
Hinzu kommt, dass gesundheitliche Ratschläge auf Social Media häufig stark verkürzt dargestellt werden. Persönliche Erfahrungen werden zu vermeintlich allgemeingültigen Empfehlungen. Wissenschaftliche Begriffe wie UV-Index werden aufgegriffen, aber nicht unbedingt dazu verwendet, sich vor hoher Strahlung zu schützen, sondern teilweise sogar, um besonders intensive Sonnenzeiten zu identifizieren.
Gerade deshalb sollten Eltern und Lehrkräfte den Begriff „Tanmaxxing“ kennen.
Es geht nicht darum, Jugendlichen Angst vor der Sonne zu machen oder jede sommerliche Bräune zu problematisieren. Vielmehr sollten junge Menschen verstehen, dass ein viraler Beauty-Trend medizinische Risiken nicht verschwinden lässt.
Ein guter Gesprächseinstieg kann deshalb ganz einfach sein: „Hast du schon einmal etwas über Tanmaxxing gesehen?“ Anschließend lässt sich gemeinsam darüber sprechen, welche Empfehlungen dort gegeben werden und warum hohe Aufrufzahlen kein Beleg dafür sind, dass ein Gesundheitstipp sinnvoll oder ungefährlich ist.
Der Trend eignet sich außerdem hervorragend, um grundsätzlich über Gesundheitsinformationen auf Social Media zu sprechen. Wer gibt den Ratschlag? Welche Qualifikation besitzt diese Person? Gibt es seriöse Quellen dafür? Und verdient möglicherweise jemand Geld oder Reichweite damit, dass eine besonders extreme Empfehlung ausgesprochen wird?
Tanmaxxing zeigt damit ein weiteres Mal, wie schnell sich Schönheitsideale, Selbstoptimierung und gesundheitlich riskantes Verhalten auf Social Media miteinander vermischen können.
Eine gebräunte Haut mag für manche ein Schönheitsideal sein.
Die eigene Gesundheit sollte dafür jedoch niemals zur Challenge werden.
Aktuelle medizinische Einordnungen bestätigen: Eine „gesunde Bräune“ durch UV-Strahlung gibt es nicht; auch ohne Sonnenbrand kann UV-Strahlung Hautzellen schädigen.
Bild KI-generiert:





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